TESHGE
Sicherheit

Sicherungskasten verstehen: Was jeder Schalter bedeutet

Dipl.-Ing. Iyad Shurafa

Geschäftsführer von TESHGE

20. März 20267 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Der FI-Schutzschalter (breiter Schalter, meist 2- oder 4-polig) schützt dich vor Stromschlägen. Bei Auslösung: Fehler suchen, nicht einfach wieder einschalten.
  • Leitungsschutzschalter (schmale Schalter, 1-polig) schützen einzelne Stromkreise vor Überlastung und Kurzschluss.
  • Die Beschriftung verrät, welcher Schalter zu welchem Raum gehört. Fehlt die Beschriftung? Nachholen lassen.
  • Schraubsicherungen (Diazed) sind veraltet – bei der nächsten Gelegenheit durch Automaten ersetzen lassen.

Foto: Geöffneter Sicherungskasten mit beschrifteten Sicherungsautomaten

Aufbau eines modernen Sicherungskastens

Dein Sicherungskasten – korrekt heißt er Unterverteilung oder Verteilerkasten – ist die Schaltzentrale deiner gesamten Elektrik. Hier laufen alle Stromkreise zusammen. Und hier sitzen die Schutzeinrichtungen, die dich und dein Zuhause schützen.

Ein moderner Sicherungskasten ist logisch aufgebaut, von oben nach unten:

  1. Hauptschalter – Schaltet die gesamte Wohnung / das gesamte Haus stromlos
  2. FI-Schutzschalter (RCD) – Schützt vor Stromschlägen (Personenschutz)
  3. Leitungsschutzschalter (LS/Automaten) – Schützen einzelne Stromkreise vor Überlastung und Kurzschluss
  4. Ggf. Überspannungsschutz – Schützt empfindliche Geräte vor Spannungsspitzen (z.B. bei Blitzschlag)

Sicherungskasten vs. Zählerschrank: Der Sicherungskasten (Unterverteilung) ist das, was du in deiner Wohnung hast. Der Zählerschrank steht im Hausflur oder Keller und enthält den Stromzähler. Bei Einfamilienhäusern ist beides oft in einem Schrank kombiniert.

Der FI-Schutzschalter (RCD)

So erkennst du ihn:

Der FI-Schutzschalter ist der breitere Schalter in deinem Sicherungskasten. Er belegt zwei Plätze (2-polig) oder vier Plätze (4-polig) auf der Hutschiene. Auf dem Gerät findest du folgende Angaben:

  • I∆n = 30 mA – Der Auslösestrom. 30 mA ist der Standard für Personenschutz.
  • Eine Prüftaste – Meist mit „T" oder „Test" beschriftet. Damit testest du die Funktion.
  • IN = 40 A (oder 25 A, 63 A) – Der Nennstrom. Bestimmt, wie viele Stromkreise der FI absichern kann.

Was er tut:

Er vergleicht permanent den Strom in der Phase (hin) und im Neutralleiter (zurück). Sind die Werte ungleich, fließt Strom über einen ungewollten Weg ab – zum Beispiel durch eine Person oder eine defekte Isolierung. Der FI schaltet innerhalb von 30 Millisekunden ab.

Wenn der FI auslöst:

  1. Ruhe bewahren – Ein ausgelöster FI ist kein Notfall, sondern ein Schutzvorgang.
  2. Alle Geräte ausstecken – Ziehe alle Stecker in dem betroffenen Bereich.
  3. FI wieder einschalten – Kippt er sofort wieder raus? Dann liegt ein Fehler in der festen Installation. Fachbetrieb anrufen.
  4. Geräte einzeln anstecken – Wenn der FI hält: Geräte nacheinander wieder einstecken. Bei welchem Gerät löst er aus? Das ist der Übeltäter.

Wichtig: Wenn der FI ohne erkennbaren Grund immer wieder auslöst, schalte ihn nicht einfach dauerhaft aus oder überbrücke ihn. Das ist lebensgefährlich. Lass einen Fachbetrieb die Ursache finden.

Leitungsschutzschalter (LS / Automat)

So erkennst du ihn:

Die Leitungsschutzschalter sind die schmalen, einpoligen Schalter, die in Reihe nebeneinander sitzen. Jeder einzelne schützt einen Stromkreis – zum Beispiel „Küche Steckdosen" oder „Schlafzimmer Licht".

Was auf dem LS steht:

  • B16 – Das ist die wichtigste Angabe. Der Buchstabe (B, C oder D) steht für die Auslösecharakteristik, die Zahl für den Nennstrom in Ampere.
  • B = Standard für Haushalte (löst bei 3–5-fachem Nennstrom aus)
  • C = Für Motoren und Geräte mit hohem Einschaltstrom (löst bei 5–10-fachem Nennstrom aus)
  • D = Für Industrieanwendungen mit sehr hohem Einschaltstrom (selten im Haushalt)

Was die Ampere-Zahl bedeutet:

BezeichnungNennstromTypische Verwendung
B1010 ABeleuchtung
B1313 ABeleuchtung, einzelne Steckdosen
B1616 AStandard für Steckdosen-Stromkreise
B2020 AEinzelne Großverbraucher (Durchlauferhitzer, Wallbox)
C1616 ASteckdosen mit Motoren (Staubsauger, Waschmaschine)

Wenn der LS auslöst:

Ein Leitungsschutzschalter löst aus zwei Gründen aus:

  1. Überlastung – Zu viele Geräte an einem Stromkreis. Lösung: Verbraucher umverteilen. Wenn es regelmäßig passiert, reicht der Stromkreis nicht aus – zusätzlichen Stromkreis legen lassen.
  2. Kurzschluss – Etwas hat einen satten Kurzschluss verursacht. Der LS schaltet sofort ab. Gerät ausstecken, LS wieder einschalten. Löst er sofort wieder aus, liegt der Fehler in der festen Installation.

Tipp: Wenn ein bestimmter LS immer wieder auslöst, betreibst du zu viele Geräte gleichzeitig an diesem Stromkreis. Ein Wasserkocher (2.000 W) + eine Mikrowelle (1.000 W) + ein Toaster (900 W) an einer B16-Absicherung = 3.900 W bei maximal 3.680 W. Das geht nicht.

Schraubsicherungen – der Vorgänger

So erkennst du sie:

Schraubsicherungen (auch Diazed-Sicherungen genannt) sehen aus wie große Patronen, die in runde Fassungen eingeschraubt werden. Sie waren bis in die 1980er Standard.

Warum sie veraltet sind:

  • Kein Wiedereinschalten möglich – Ist die Sicherung durchgebrannt, musst du sie komplett tauschen. Kein Kipphebel, kein Reset.
  • Manipulationsgefahr – Früher wurde gerne ein „Sicherungsdraht" oder eine Münze eingesetzt, um eine durchgebrannte Sicherung zu überbrücken. Das ist lebensgefährlich und brandgefährlich.
  • Kein Personenschutz – Schraubsicherungen schützen nur die Leitung, nicht dich. Ein FI-Schutzschalter fehlt in alten Anlagen fast immer.
  • Keine klare Zuordnung – Oft sind die Fassungen nicht beschriftet. Welche Sicherung gehört zu welchem Raum? Rätselraten.

Niemals „flicken": Schraubsicherungen dürfen nur durch passende Schmelzeinsätze ersetzt werden. Wer Draht, Alufolie oder Münzen verwendet, schaltet den Überlastungsschutz aus. Im schlimmsten Fall brennt die Leitung durch – und mit ihr die Wand.

Die Beschriftung lesen

Ein gut beschrifteter Sicherungskasten ist Gold wert. Besonders wenn um 23 Uhr die Sicherung fliegt und du im Dunkeln stehst.

Typische Beschriftungen:

  • Küche Steckdosen – Steckdosen-Stromkreis in der Küche
  • Küche Herd – Separater Stromkreis für den Herd (oft 3-polig, C20 oder C32)
  • Bad – Steckdosen und Licht im Badezimmer
  • WZ Licht – Beleuchtung im Wohnzimmer
  • WZ Steckdosen – Steckdosen im Wohnzimmer
  • WaMa – Waschmaschine (eigener Stromkreis)
  • DLE – Durchlauferhitzer (eigener Stromkreis, oft 3-polig)

Wenn die Beschriftung fehlt:

In vielen Altbauwohnungen fehlt die Beschriftung komplett. Dann bleibt nur: systematisch jede Sicherung einzeln ausschalten und prüfen, wo der Strom weggeht. Das ist mühsam, aber wichtig. Wir beschriften deinen Sicherungskasten bei jedem Auftrag – auch wenn du uns nur wegen einer Steckdose gerufen hast.

Gut zu wissen: Bei einer fachgerechten Elektroinstallation bekommst du immer einen Stromlaufplan (Schaltplan). Der zeigt dir alle Stromkreise, ihre Absicherung und welche Räume betroffen sind. Wenn du keinen hast – nachholen lassen.

Alt vs. modern: Wann ist ein Tausch fällig?

Nicht jeder alte Sicherungskasten muss sofort raus. Aber es gibt klare Unterschiede:

MerkmalAlter SicherungskastenModerner Sicherungskasten
SicherungstypSchraubsicherungen (Diazed)Leitungsschutzschalter (Automaten)
FI-SchutzFehlt meistensStandard für alle Stromkreise
ÜberspannungsschutzFehltTyp 1+2 verbaut
ReserveplätzeKeineFür Wallbox, PV, Smart Home
BeschriftungOft fehlendVollständig und normgerecht
Smart MeterKein PlatzPlatz vorgesehen
SelektivitätNicht gegebenFI-Bereiche getrennt (Kühlschrank läuft weiter, wenn im Bad der FI auslöst)
NormenkonformitätVeraltetNach aktueller TAB und VDE

Wenn dein Sicherungskasten drei oder mehr Merkmale aus der linken Spalte hat, ist ein Tausch dringend empfohlen.

5 Dinge, die du über deinen Sicherungskasten wissen solltest

1. Wo steht er?

Klingt banal, ist aber wichtig. Weißt du, wo dein Sicherungskasten ist? Kann jedes Familienmitglied ihn finden – auch im Dunkeln? Wenn nicht: Standort merken und allen zeigen.

2. Halte den Zugang frei

Kein Schuhschrank davor, keine Regale, keine Waschmaschine. Im Notfall musst du schnell an den Kasten. Das ist auch eine Vorschrift: Mindestens 1 Meter freier Raum vor dem Sicherungskasten.

3. Lerne, wie du Sicherungen zurücksetzt

FI-Schutzschalter und Leitungsschutzschalter haben einen Kipphebel. Runter = aus, rauf = ein. Mehr musst du nicht wissen, um nach einem Auslösen den Strom wieder einzuschalten.

4. Teste den FI vierteljährlich

Drücke die Prüftaste (T) am FI-Schutzschalter. Er muss sofort auslösen. Dann wieder einschalten. Das dauert 10 Sekunden und stellt sicher, dass dein Lebensretter im Ernstfall funktioniert.

5. Kenne deine Stromkreise

Welche Sicherung gehört zum Kühlschrank? Welche zum Homeoffice? Wenn du das weißt, kannst du gezielt abschalten, ohne die ganze Wohnung lahmzulegen. Eine saubere Beschriftung macht das einfach.

Tipp: Klebe eine kleine Taschenlampe mit Magnet an den Sicherungskasten. Wenn abends die Sicherung fliegt, stehst du sonst im Dunkeln und suchst dein Handy.

Warum TESHGE?

  • Ingenieurbetrieb – Planung und Ausführung aus einer Hand, Geschäftsführer ist Diplom-Ingenieur
  • Sicherungskasten-Check – Wir prüfen deinen Kasten und sagen dir ehrlich, ob ein Tausch nötig ist oder ob eine Nachrüstung reicht
  • Festpreisangebot – Was im Angebot steht, gilt. Keine versteckten Kosten
  • Saubere Dokumentation – Beschriftung, Schaltplan und Prüfprotokoll gehören bei uns zu jedem Auftrag
  • Zukunftssicher – Reserveplätze für Wallbox, PV und Smart Home planen wir gleich mit ein

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